SPD adé und passé?

Lange geunkt und trotzdem überlebt! Das galt bisher. Doch seit die älteste demokratische Partei Deutschlands im Sumpf der Groko versinkt, werden die Karten neu gemischt.

Die gute alte Tante SPD geht baden und das auf ganzer Linie. "Hurra, wir sind zweistellig!" tönt es aus Bayern oder vielleicht auch mal wieder aus Sachsen, wer weiß? Es scheint, die Freibürger der Freistaaten machen das Überleben der Traditionspartei besonders schwer. Aber warum eigentlich?

So schlimm sind sie doch gar nicht die Sozn, oder?

 

Naja, Oskar sieht das wohl anders. Mit der Agenda 2010 trug der Armani-Kanzler Gerd Schröder (BR Satire: Gerd vom Pferd) die Umverteilungsdebatte in der Sozialdemokratie zu Grabe. Linke Sozis nannten es die größte Enteignungskampagne des aufstrebenden Proletariats seit Einführung der progressiven Einkommensteuer. Immerhin darin war er nachhaltig. Und in seinem Abgang mit Liebesgrüßen aus Moskau vom lupenreinen Demokraten Putin, der ihn in den postsowjetischen Aufsichtratshimmel weglobte.

 

"So what?", hören wir eifrige Trumpgegner philosophieren. Es gibt doch viel schlimmeres zwischen Himmel und Erde als Sozialdemokraten an der Macht. Mal ganz abgesehen von Ebert und Noske, die während der deutschen Revolution 1918 eifrig die erblühenden Räterepubliken auf dem Boden des deutschen Reiches im Blut der sozialistischen Brüder ertränkten.

 

Vielleicht ist es ja die preussische Tugend der SPD, jederzeit staatstragend und machterhaltend zu agieren, komme an Revolution was da wolle, die ihr nun mächtig ohnmächtig zum Verhängnis wird. Schröder war nur der Hermesbote, das Göttergeläut zum historischen Abgesang. "Der Wurm ist drin und geht nicht mehr raus, bis nur noch ein Haufen Späne von der guten alten SPD zeugen.

 

Sollen wir traurig sein?   Warum eigentlich? Mit der SPD geht ein Stück preussischer Geschichte ins Museum über. Da ist sie gut aufgehoben, finden wir. Vakuum ist bekanntlich nicht sehr langlebig. Es füllt sich mit Neuem. Darauf sollten wir uns freuen, statt den Totgeweihten nachzutrauern. "Deutschland, Land der Ideen" heißt ein Standort-Werbeslogan aus besseren Tagen. Mögen wir Deutschen den Mut haben, die Politik neu zu erfinden. Neue Ideen, neue Gedanken, neues Deutschland, braucht das Land!

 

Kolumne des satirischen Zentralrats der Melodramatischen Einheitzpartei MEP, eine Schwesterpartei der Partei die PARTEI. Erschienen im virtuellen Sammelband "Jetzt bloss ned weinen" und nachzulesen in einer unbestimmten Ausgabe des Satiremagazins Titanic.